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Rechtliches

Begründung der Bestattung

Hier kamen verwaiste Mütter zu Wort

Diese hier wiedergegebene Antworten wurden von über 100 verwaisten Müttern gegeben, denen alle vor oder während der Geburt ihr Kind gestorben ist.
(in %)
U1
U2
U3
einen Ort der Trauer haben

-

40,8
20,1
Möglichkeit des Abschiednehmens
-
40,8
20,1
sehr viel
-
21,1
23,2
sehr wichtig
-
12,7
15,2
öffentliche Anerkennung des menschlichen Lebens
-
12,7
8,1
einen Ort der Nähe zum Kind haben
-
8,5
32,8
einen Ort der letzten Ruhe für das Kind haben
-
7,1
1,6
durch Grabpflege seine Liebe zum Kind zeigen
-
5,6
8,8
wissen, wo das Kind ist
-
18,4
Kind als Mensch anerkennen
-
8,8
Kind nicht als Abfall entsorgt
-
7,2
würdevolle Behandlung
-
7,2

Nur eine Frau der Umfrage war die Beerdigung nicht wichtig. Allen anderen Frauen war die Bestattung und das Grab (sehr) wichtig. Für sie ist das Grab ein Ort der Trauer und der Möglichkeit des Abschiednehmens (je 20-41 %).

Bedeutung des Grabes

Das Grab für ihr Kind ist für verwaiste Mütter von z.T. sehr großer Bedeutung (33 %). Es ist für sie der Ort des Abschiednehmens und der Trauer (je 20-41 %). Sie wissen, an diesem Ort liegt ihr Kind, hier können sie ihm nahe sein. Es wurde nicht als Abfall entsorgt, sondern erfuhr eine würdevolle Behandlung. Durch die Grabpflege können sie der Liebe zum Kind Ausdruck verleihen. Das Grab ist neben allem auch eine öffentliche Anerkennung des menschlichen Lebens, um das sie trauern. Hierbei kommt einem (Gemeinschafts-)Grab ein sehr hoher Stellenwert zu.

Die verwaisten Mütter mit frühen Verlusten ihrer Kinder (bis zur 12. SSW) sprachen sich in gleicher Weise für die große Bedeutung des Grabes aus, wie die Frauen, die ihr Kind später in der SS verloren haben. Das heißt, auch wenn nach der Ausschabung kein Kind erkennbar war, es u.U. zuvor vom Körper absorbiert wurde weil es noch so klein war oder zuvor abgegangen ist, so ist es diesen Frauen auch sehr wichtig, dass sie eine Grabstätte für ihr Kind haben.

Aus der Antike kennen wir Kenotaphe, Gräber ohne Leichname als Gedenkstätte. Der Körper des Toten war (als Trophäe) im Besitz des Feindes oder sonst wie verloren gegangen. Dennoch wurde ihm zu Ehren und Gedenken ein Grabmal errichtet. - Heute wird in der BRD noch vielerorts den verwaisten Eltern mit frühen Fehlgeburten (bis 12. SSW) eine Bestattung ihres Kindes verwehrt Eltern leiden auch unter Selbstvor­würfen, weil sie ihr Kind nicht bestattet haben bzw. konnten.

In unserer Gesellschaft sollten vielleicht stärker die Worte von Ernst Hug bewusst gemacht werden: „So ist der Friedhof oder das Grab das dauerhafte Zeichen menschlichen Treibens und Daseins und legt Zeugnis ab von einer stetigen Beziehung zwischen Tod und Kultur.“

Ein Grab für sein tot- oder fehlgeborenes Kindes zu haben kann noch mehr sein, als alles bereits genannte. Es kann u.U. über so manche Ungereimtheit im Zusammenhang des Verlustes hinwegtrösten. So schrieb eine Mutter: „Die Beerdigung selbst rauschte an mir vorbei. Pfr. hatte nur Floskeln. Es ist aber gut, ein Grab zu haben.“

Welche Bedeutung hat für Sie des Grab? (einzelne ausgewählte Antworten)

U2,3: Es war ein schmerzvoller Abschied, anders als jede andere Beerdigung. Es gibt nämlich keinen Lebenslauf z.B.

U2,4: Ein Ritual, einen Abschluss, eine Gedenkstätte. Das habe ich viel später für uns gemacht. Eine Rose wächst in Jahren und ich lasse öfter ml 1 Kerze brennen.

U2,11: Ein Abschiednehmen, nicht jahrelang andauernd Vorwürfe sich selbst gegenüber, das Kind über die Pathologie entsort haben zu lassen. Jahrelang und immer wiederkehrende Fragen, was genau mit ihm passiert und wo er abgeblieben ist. Meinen inneren Frieden.

U2,13: Sehr viel, da ein Grab ein Ort ist, an dem man seine Trauer hintragen kann. Es wäre für mich unterträglich gewesen, dass mein Kind beim Klinikabfall landet und beseitigt iwrd.

U2,19: Das Krankenhaus, in dem die letzten beiden FG „entfernt“ wurden, hat 2 Jahre später ein Sammelgrab mit Stein eingerichtet. Als ich es zufällig auf dem Friedhof entdeckte, dachte ich: Hätte es das damals gegeben, dies wäre für mich ein Ort zum Trauern gewesen, auch wenn ich das Grabfeld nicht sehr ansprechend finde.

U2,22: Sehr viel. Es wäre ein Ort gür mich gewesen, wo ich hätte hingehen können. Ich ätte mich von ihr verabschieden können und hätte so etws wie eine Begegnungsstätte.

U2,25: Alle Kinder wurden in anonymem Sammelgrab ohne die Möglichkeit bei der Beerdigung dabei zu sein, beigesetzt. Das 3. Kind liegt sogar hunderte km entfernt, weil es wegen irgend welchen Vorschriften nicht in dem heimatlichen Sammelgrab beigesetzt werden durfte. Es starb in einer auswärtigen Klinik.

U2,31: Es ht mir gut getan, dass mir in der SHG getanzthaben, so konnte nicht nur der Kopf geleert werden, sondern auch alle Gefühle Ausdruck finden

U2,33: Sehr viel, wir haben alles in Bewegung gesetzt, dass die Beerdigung gegen aller Meinung und Wissen durchzusetzen.

U2,65: Ich habe die Beerdigung als gestaltschließendes Abschiedsritual erlebt. Ich hatte forchtbare Angst davor, habe dabei sehr, sehr viel geweint, war dananch aber irgendiwe erleichtert. Es wurde wieder etwas heller.

U3,6: Alles! Es war wichtig, Abschied zu nehmen und zu wissen, mein Kind hat einen guten Platz bekommen, mit seiner Hülle wurde veratnwortungsvoll umgegangen. Es war mir wichtig, dass mein Kind nicht zu Granulat und dann zu Straßenbelag verarbeitet wird...

U3,12: Es wäre ein Ort wo ich mein Kind besuchen kann. Es bedeutet auch Kindern viel. Meine Tochter fragt warum Yul'chen nicht beerdigt ist. Wir haben (in Unkenntnis unserer und seiner Rechte) nicht erwogen es beerdigen zu lassen.

U3,18: Sehr viel wie sich später herausstellte. Abschiednehmen und akzeptieren, dass jemand da war und gleich wieder gegangen ist.

U3,19: Wir haben unser Kind im Familiengrab beerdigt. Das bedeutet unheimlich viel für mich. Ich mußte eine ganze Zeit lang darum kämpfen, da vor mir noch nie eine Mutter diesen Wunsch geäußert hatte. Jetzt weiß ich, wo der Körper meines Kindes ist.

U3,23: Eine Beerdigung hätte mir sehr viel bedeutet. Ich hätte einen Ort gehabt, an dem ich sie besuchen kann. Sie wären so würdig behandelt worden, wie sie es verdient hätten. So wie jeder Mensch behandelt werden möchte. Aber leider wurden sie nicht als Menschen anerkannt.

U3,24: Alles!!!!! Dadurch konnte ich weiterleben ... dadurch konnte ich meine Depression überwinden. ... dadurch konnte ich mich verabschieden ... dadurch hatte ich einen Platz an dem ich meinem Baby nahe sein konnte .... an dem ich spüren konnte.

U3,25: Meine Kinder wurden beerdigt, obwohl wir es eigentlich nicht wollten. Im Nachhinein bin ich froh, daß es das Grab gibt, auch wenn ich nur sehr selten dort bin.

U3,26: Die Beerdigung unseres Sohnes war sehr wichtig für uns. Es war wie ein Abschiednehmen. Endlich zur Ruhe kommen und lernen, ein neues Leben zu beginnen. Es war noch einmal ein Tag, an dem wir all unsere Liebe zu ihm noch einmal ausdrücken konnten.

U3,28: Die Beerdigung war mir ganz wichtig. Der Gedanke, dass der Körper meiner Kinder irgendwo mit den Klinikabfällen entsorgt würde, wäre für mich unerträglich gewesen. Mein Mann hat den Sarg selbst getragen. Das wollte er keinem anderen überlassen.

U3,30: Eine Beerdigung hätte mein Kind wirklicher gemacht. Es lebt nur in meinen Gedanken und erinnerungen, doch für andere hat es nie existiert, das wäre durch ein Grab anders.

U3,32: Am Anfang wollte ich nichts darüber hören! Beerdigung? Nein ich hatte zum ersten mal ein Kind geboren und wollte kéine Beerdigung! Ich habe meine Ohren einfach zugemacht! Heute weiß´ich das ich mich einfach nur geschützt habe!

U3,36: Die Beerdigung hat mir nichts bedeutet, denn mit dem Tod meines geliebten Kindes habe ich den Glauben an die Kirche und an Gott verloren. Mein Kind liegt jetzt 1,50 m unter der Erde und ich kann ihm nicht mehr helfen.

U3,40: Die Beerdigung selbst war weniger ein Abschied, als die Segnung vorher, und deshalb eher eine zusätzliche Belastung. Wichtig war sie für unsere Eltern, die sonst im luftleeren Raum stünden. Jetzt ist es schön, eine Gedenkstätte zu haben.

U3,50: Die Beerdigung meines ersten Sohnes war wie ein Strich unter eine Rechnung. Damit war etwas erledigt, was offen war. Da ich bei meinem zweiten Sohn keine hatte, fehlt etwas.

U3,56: Die Beerdigung hätte bedeutet, daß das Kind realer gewesen wäre und nicht nur ein verdrängtes Medizinisches Problem. Es wäre ein Teil der Familie geworden.

U3,57: Die Beerdigung von Celia war der schlimmste Tag in meinem Leben aber ich habe an diesem Tag auch ein wenig Frieden empfunden. Frieden darüber, dass ich meine Tochter auf ihrem letzen Gang begleitet habe, dass ich irgendwie die Kraft hierzu gefunden habe.

U3,59: Mir hätte eine Beerdigung sehr viel bedeutet. Denn dann wäre eine FG nicht nur eine Sache, sondern eine Person, ein kleiner Mensch. Aber ich habe ja wenigstens ein Kind aus der Klinik mitnehmen können und mit meinem Mann gemeinsam "beerdigt".

U3,67: Es hätte die Trauer wohl erleichtert. Ich hätte einen Platz gehabt, an dem ich mit meinem Sohn hätte alleine reden können. Aber jetzt machen wir das abends im Bett, wenn alles schlafen. In der ersten Jahre wäre es wohl eine Hilfe gewesen.

U3,70: Eine Beerdigung hätte auch anderen (z.B. meinen Eltern) gezeigt, dass mein Kind genauso viel wert ist wie jeder andere Mensch, auch wenn es noch sehr klein war (25cm), und es hätte gezeigt, dass mein Kind zur Familie gehört, genauso wie meine lebenden Kinder.

U3,74: Sehr viel!!! Es waren zwar zwei schwere Gänge auf den Friedhof, doch wir haben nun eine Anlaufstelle für unsere Trauer, besonders wichtig für mich war zu wissen, dass unsere Kinder nicht einfach Klinikmüll sind, sondern tatsächlich auch schon im Mutterleib Menschen sind.

U3,78: Die Beerdigung war sehr wichtig für uns. unsere Tochter Dana wurde in einem Sammelgrab beerdigt, mit noch 2 Kindern, die nicht leben durften. Es war wirklich sehr schön.

U3,80: Ich weiß es nicht genau, aber als ich erfahren habe, dass alle Kinder in ein Sammelgrab kommen, die in einer Klinik in der Nähe von uns untersucht werden, da musste ich weinen und ich war sehr erleichtert darüber, weil unser Kind auch dahin kommt.

U3,85: Es ist für uns wichtig einen Ort zu haben an dem unser Kind existiert. Aber er wohnt für immer in unseren Herzen und da spüre ich ihn auch.

U3,88: Das kann ich schwer beantworten, da eine Beerdigung nie in Frage kam. Ich denke, es wäre schön, einen ganz deutlichen Trauer-Ort zu haben. Andererseits weiss ich, dass die Seele des kleinen Wesens nicht an einen Ort gebunden ist, deshalb vermisse ich ein Grab nicht.

U3,94: Abschluß, Trennung, die Kinder loslassen, sie in den Himmel zu "entlassen". Extremer Schmerz, da die wir unter Schock standen, und das Erlebte nicht recht fassen konnten. Die Beerdungugn hat nach 7 Tagen stattgefunden, was ich im nach hinein viel zu früh.

U3,101: Ich war völlig überfordert mit allem, daher habe ich sie wie in Trance miterlebt. Wir hatten nur wenig Geld und sie mußte sein, aber wäre mein Kind nicht beerdigt worden, wäre ich wahnsinnig geworden. Die richtige Trauer konnte erst nach der Beerdigung begonnen.

U3,103: Die Beerdigung hat mir sehr viel bedeutet. Es war eine Anerkennung ihres Lebens, ihrer Würde. Die Bestattung war sehr "schön", der Priester nannte unzählige Male ihre Namen, machte deutlich, dass auch diese beiden kleinen Kinder ihren Platz im Leben hatte.

U3,115: Die Beerdigung hätte meinem Sohn die offizielle Menschenwürde gegeben.Ich bin sicher, hätte es eine Beerdigung gegeben und würde es ein Grab geben, mein Sohn wäre nicht vergessen worden. Heute, nach 19 Jahren, erinnert sich kaum jemand an ihn.

U3,117: Die Beerdigung unseres Kindes wollten wir ursprünglich sehr kurz gehalten haben (ca. 15 Minuten). Der Pfarrer meinte er würde unserem Wunsche entsprechen. Hinterher war die Beerdigung 45 Minuten lang und wir waren froh darüber.

U3,118: Die Beerdigung war für mich ein notwendiges, bürokratisches Übel, welches nicht nach meinen Vorstellungen verwirklichbar war. Erst als die Beerdigung hinter uns lag, hatte ich das Gefühl, dass uns jetzt keiner mehr in unserer Trauer treibt.

U3,132: Es hätte eine persönliche Trauerfeier nur für mich und meinen Mann sein müssen, weil ja niemand davon wusste. Ich habe das Kind zu Hause abends als ich alleine zu Hause war verloren und mich ganz persönlich von ihm verabschiedet, es angesehen und gebetet