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Diebe machen nicht mal vor Gräbern Halt
Guido Rijkhoek verfasste im Fächer-Teil der BNN 25.11.06 auf Seite 7 nachfolgenden Artikel:
„Die Friedhöfe sind nicht mehr nur Orte der Besinnung und des Andenkens Verstorbener. Sie sind zu Tatorten geworden. Städte und Gemeinden stehen dem Treiben weitgehend machtlos gegenüber. 'Es kommt vor, dass ganze Gräber abgeräumt werden', berichtet Manfred Zagar, stellvertretender Bundesvorsitzender des Verbands der Friedhofsverwalter Deutschlands (VFD). Laternen, Vasen oder Blumen – was nicht niet- und nagelfest ist, verschwinde spurlos.
Frisch gepflanzte Gräber zögen Diebe geradezu magnetisch an, erklärte Zagar, der das nicht recht nachvollziehen kann: 'Da scheint irgendein Zwang dahinter zu stecken.' Vor allem in der dunklen Jahreszeit werde verstärkt geklaut, berichten Insider. Teils handele es sich bei den Dieben um organisierte Banden, welche die gestohlenen Pflanzen weiterverkaufen würden. Teils seien die Täter aber auch einfache Bürger, die selbst ein Grab zu pflegen hätten und Kosten sparen wollten. 'Da können wir relativ wenig machen.', erklärte Thomas Bäder, für Friedhöfe zuständige Abteilungsleiter bei der Stadt Wiesbaden.
Die Diebe transportieren nicht nur Blumen und Pflanzen, sondern auch Schwergewichtiges ab. In Görlitz stahlen unbekannte Täter das schmiedeeiserne Tor einer Familiengruft aus dem 17. Jahrhundert. In Berlin verschwanden zahlreiche Marmorreliefs und Büsten Verstorbener, manche waren 120 Kilo schwer. In Spiesen-Elversberg im Saarland entwendeten Diebe Sandsteinplatten, mit denen die Friedhofsmauer abgedeckt werden sollte, insgesamt 60 laufende Meter.
Seit die Preise für Kupfer und andere Buntmetalle in die Höhe geschossen sind, gehören auch Grabverzierungen aus Metall zum bevorzugten Diebesgut. So stahlen unbekannte Täter Anfang Oktober in Stralsund 42 Kupfertafeln von einer Kriegsgräberstätte. die Tafeln mit den Namen der Verstorbenen waren erst 1998 angebracht worden.. Ruhestätten Promienter werden schon seit langem geplündert. So wurde der Grabstein von Schauspielerlegende James Dean in dessen Heimatstadt Fairmount 1998 bereits zum dritten Mal gestohlen.
Der grassierende Friehofsklau hat offenbar mit einer gewandelten Einstellung zum Tod zu tun. Es habe früher eine 'heilige Scheu' im Umgang mit Gräbern gegeben, erklärte Reiner Sörries, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal: 'Es gab einmal die volkstümliche Vorstellung, dass Dinge auf einem Grab des Eigentum des Toten seien.' Doch von der Ehrfurcht vor der letzten Ruhestätte ist nicht viel geblieben.
'Das Grab ist schon seit langem nicht mehr tabu', betont Zagar: 'Friedhöfe sind nichts anderes als ein Spiegel unserer Gesellschaft.' Die zunehmende Verrohung spiegele sich auch hier wider. Obwohl Friedhofsverwalter den Diebstahl von Grabschmick und anderem als Massenphänomen beschreiben, spielt der Friedhofsklau in der polizeilichen Kriminalistik bislang keine Rolle.
In ganz Hessen etwa wurden 2005 lediglich 229 einfache Diebstähle auf Friedhöfen gemeldet, wie das Landeskriminalamt berichtet. Doch offenbar wird von den Bürgern nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle zur Anzeige gebracht. 'Niemand geht wegen eines gestohlenen Gestecks zur Polizei, erklärte Siegfried Schneider, Sprecher der Stadt Wiesbaden. 'Die Dunkelziffer ist erheblich höher', heißt es auch beim Verband der Friedhofsverwalter.
Vielerorts hat inzwischen das Nachdenken begonnen, wie den Diebstählen begegnet werden kann. Denn wenn auch der materielle Wert von Grabschmuck oft gering ist; für die Angehörigen ist es jedes Mal ein Schock, wenn die Grabstätte eines Verstorbenen geplündert wurde. 'Wir raten unseren Mitgliedern, auf jeden Fall zur Polizei zu gehen', sagt der Vorsitzender der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur Aeternitas Hermann Weber: 'Sonst passiert ja nichts.'“ (BNN 25.11.06,7)

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